Zur Geschichte des Kreuzstiches

Malen mit der Nadel nannten schon die Römer die Kunst des Stickens.
Aber die Babylonier waren es, die der Stickerei ihren Namen gaben, denn sie benannten diese seit über 2000 Jahren bekannte Handwerkskunst so.

Aus der Zeit vor dem 12. Jahrhundert sind nur sehr wenige Stickereien erhalten geblieben, aber es ist überliefert, daß man auch zu dieser Zeit schon eine Fülle von Stickereien in Kreuzstich anfertigte.

Ursprünglich diente der Kreuzstich als Methode Tierhäute mit Lederschnüren fest miteinander zu verbinden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Kreuzstich zu einer überaus dekorativen und farbenfrohen Möglichkeit der Handarbeitsgestaltung.

In Westeuropa bildet die Kunst des Stickens seit dem Mittelalter ein bedeutsames dekoratives Element in Kirchen und Adelswohnsitzen. Stickereien mit verschiedenfarbigen Fäden, so wie wir sie heute kennen, gewann erst seit Anfang des 16. Jahrhunderts mehr und mehr an Beliebtheit.

Mit zunehmenden Wohlstand wuchs auch die Nachfrage nach kunstvoll verzierten Kleidern, aber auch Einrichtungs- und Gebrauchsgegenständen. Diese Stickereien auf Stramin waren ein sichtbarer Ausdruck von neu erworbenen Reichtum. Gobelins nachempfundene Stuhlbezüge, Bettdecken, Vorhänge, Wandbilder und sogar Teppiche stickte man in Gobelinstich auf Stramin oder Leinen. Sehr populär wurden auch Stickbilder, und als besonders vornehm galten Bücher in besticktem Einband, die man zur Schonung in gleichfalls bestickten Leinensäckchen aufbewahrte. Im Laufe der Zeit versuchten sich Angehörige aller Gesellschaftsschichten in der Kunst des Stickens, die prunkvollen Arbeiten aus einschlägigen Werkstätten blieben aber nach wie vor dem Adel vorbehalten.

Um verschiedene Muster, Alphabete und Zahlenreihen weitergeben zu können wurden Mustertücher, zu Beginn als Leinenstreifen, später als Vierecktücher, zusammengestellt und überliefert. Im 18. und 19. Jahrhundert gehörte das Anfertigen wenigstens eines Mustertuches zu den Pflichten eines jungen Mädchens.

Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden Gruppen, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, die künstlerische und handwerkliche Qualität der Stickkunst zu vervollkommnen. Es wurden Architekten und Designer mit dem Entwurf von Stickarbeiten beauftragt, die dann von verschiedenen Vereinigungen zum Beispiel der School of Art Needlework ausgeführt wurden. Diese Schulen boten jungen Damen der Gesellschaft Gelegenheit, sich Fertigkeiten im Sticken anzueignen, und die Kunst des Stickens zu verfeinern.

In den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts waren Häkeln und Sticken nach wie vor die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Frauen. Daran konnte auch der zweite Weltkrieg nichts ändern, nur die bevorzugten Muster waren nun andere.

Im Laufe der sechziger Jahre kam das Kunstgewerbe wieder sehr in Mode, vor allem ethnische Stickereien waren sehr begehrt.

Die meisten Menschen heute verfügen über mehr Freizeit als je zuvor.

Kreuzstickerei ist eine ebenso unkomplizierte wie lohnende Freizeitbeschäftigung - ein Hobby, das in den letzten zwanzig Jahren immer beliebter geworden ist und durch die Vielzahl der Stoffe und Garne reichlich Abwechslung bietet.